Squier X Hello Kitty Stratocaster - Umbau
Baujahr: 2024
Gewicht: 3,6 kg
Herkunft: Indonesien
Vintage-Brett statt Metal-Axt
Die pinke Squier X Hello Kitty Stratocaster aus dem Jahr 2024 ist eine Gitarre, mit der man garantiert nicht unbemerkt bleibt. Das auffällige Finish, die große Hello-Kitty-Grafik und das bewusst reduzierte Bedienkonzept machen sie auf den ersten Blick zu einem Sammlerstück oder einer Spaßgitarre. Unter der verspielten Optik steckt jedoch eine angenehm direkte Rockgitarre. Genau das machte sie für mich zu einer interessanten Basis für einen individuellen Umbau. Viele Besitzer statten ihre Hello Kitty mit aktiven Pickups, schwarzer Hardware und modernen High-Gain-Komponenten aus. Der Kontrast zwischen der niedlichen Optik und einem aggressiven Metal-Sound funktioniert natürlich hervorragend. Ich wollte allerdings nicht das nächste Metal-Brett aus der Hello Kitty schnitzen. Mein Ziel war eine funktionale und vielseitige Session-Gitarre, die sofort auffällt, sich aber in unterschiedlichen musikalischen Situationen einsetzen lässt. Statt aktiver Elektronik und maximalem Output sollte sie klassische Blues-, Rock- und Singlecoil-Sounds liefern.
Die Hello Kitty Stratocaster als Kultgitarre
Die erste Squier Hello Kitty Stratocaster erschien bereits in den 2000er-Jahren und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem begehrten Kultinstrument. Mit der 2024er Neuauflage kehrte das bekannte Konzept zurück: ein pinker Stratocaster-Korpus, ein einzelner Humbucker und nur ein Regler. Der besondere Reiz liegt für mich im Widerspruch zwischen der verspielten Hello-Kitty-Optik und einer vollwertigen E-Gitarre. Sie ist auffällig, humorvoll und gleichzeitig eine hervorragende Grundlage für individuelle Umbauten. Squier gehört zu Fender. Deshalb lässt sich die Gitarre natürlich nicht vollständig von der aktuellen Diskussion um den Mutterkonzern trennen. Fender steht wegen seines rechtlichen Vorgehens zum Schutz klassischer Gitarrendesigns, unter anderem gegenüber Thomann und Harley Benton, derzeit deutlich in der Kritik. Das macht Fender-Produkte für manche Gitarristen aktuell nicht ganz unproblematisch. Unabhängig davon bleibt die Hello Kitty für mich jedoch eine absolute Kultgitarre und ein Instrument, das innerhalb des Fender- und Squier-Programms eine besondere Stellung einnimmt.
Mein Konzept: eine auffällige Session-Gitarre
Beim Umbau ging es mir nicht darum, die Hello Kitty möglichst extrem oder aggressiv klingen zu lassen. Sie sollte vielseitig genug sein, um bei einer Session für cleane Akkorde, Blues, Classic Rock und kräftigere Leadsounds eingesetzt werden zu können. Dabei wollte ich das ursprüngliche Erscheinungsbild möglichst wenig verändern. Die Gitarre sollte weiterhin nur einen sichtbaren Regler besitzen und ihre reduzierte Optik behalten. Trotzdem benötigte ich drei Funktionen: Volume, Tone und Coil-Split. Der zentrale Bestandteil des Umbaus ist deshalb die Kombination aus einem ganz speziellen Tonabnehhmer und einem Custom Push-Pull Tandem-Poti.
Tonabnehmer
Der Seymour Duncan SH-3B Stag Mag ist ein ungewöhnlicher Humbucker. Während bei vielen Humbuckern ein länglicher Magnet unter den Spulen sitzt, verwendet der Stag Mag gestaffelte Alnico-II-Stabmagnete, wie man sie von klassischen Singlecoils kennt. Vereinfacht gesagt kombiniert der Pickup zwei eigenständig nutzbare Singlecoil-Konstruktionen in einem Humbucker-Gehäuse. Das ist vor allem für den Coil-Split interessant. Bei vielen normalen Humbuckern bleibt im gesplitteten Zustand lediglich eine einzelne Spule übrig, die klanglich relativ dünn oder leise wirken kann. Der Stag Mag wurde dagegen gezielt dafür entwickelt, auch gesplittet einen überzeugenden, hellen und offenen Singlecoil-Sound zu liefern. Im vollständigen Humbucker-Betrieb klingt er kräftig, rund und präsent. Der Stag Mag gehört technisch zwar zu den leistungsstärkeren passiven Humbuckern, besitzt durch seine Alnico-II-Magnete aber eine vergleichsweise weiche und dynamische Ansprache. Genau diese Mischung hat mich interessiert. Im Humbucker-Modus liefert er genügend Druck für Rock-Riffs und singende Leads. Gesplittet wird der Klang deutlich heller, direkter und transparenter. Dadurch entstehen zwei wirklich unterschiedliche Klangcharaktere und nicht nur zwei leicht abgewandelte Versionen desselben Sounds. Ich bezeichne den Stag Mag in diesem Projekt gerne als meinen Blues-Pickup. Das ist weniger als technische Kategorisierung gemeint, sondern beschreibt meine Nutzung: passiv, dynamisch, offen und deutlich traditioneller als die aktiven Metal-Pickups, die häufig in dieser Gitarre verbaut werden.
Stacked Push-Pull Tandem-Poti
Auf die Lösung mit dem Noll Stacked Push-Pull Tandem-Poti bin ich bei diesem Umbau besonders stolz. Die Hello Kitty besitzt ab Werk nur eine einzige Reglerbohrung. Diese reduzierte Optik wollte ich unbedingt erhalten. Zusätzliche Potis oder Schalter hätten neue Bohrungen erfordert und das charakteristische Erscheinungsbild der Gitarre verändert. Das Noll-Poti verbindet dagegen drei Funktionen in einem einzigen Bauteil: Lautstärkeregelung, Tonregelung und den Coil-Split per Push-Pull-Schalter. Die beiden konzentrisch angeordneten Potentiometerachsen steuern Volume und Tone. Durch Ziehen beziehungsweise Drücken des Reglers wird der Stag Mag zwischen Humbucker- und Singlecoil-Betrieb umgeschaltet. Damit konnte ich die Elektronik deutlich erweitern, ohne ein zusätzliches Loch in die Gitarre bohren zu müssen. Das massive Tandem-Poti benötigt allerdings erheblich mehr Platz als ein gewöhnliches Gitarrenpoti. Ich hatte eine ähnliche Lösung bereits bei einem Bass und bei meiner Hello Kitty aus dem Jahr 2009 versucht. Bei beiden Instrumenten war der Korpus beziehungsweise das Elektronikfach nicht tief genug. Umso erfreulicher war es, dass das Noll-Poti vollständig in den tiefen Korpus der 2024er Hello Kitty passte. Von außen bleibt die Gitarre nahezu unverändert, unter dem einzelnen Regler verbergen sich jetzt aber Volume, Tone und Coil-Split. Für mich ist das eine der elegantesten Änderungen an der gesamten Gitarre, besonders in Kombination mit der Potikappe von Sandberg.
Locking Tuner
Die serienmäßigen Mechaniken habe ich durch Grover 533C6 Vintage Locking Rotomatics ersetzt. Sie verbinden eine klassische Optik mit dem Komfort moderner Locking-Mechaniken. Der Saitenwechsel gelingt schneller, die Saiten müssen weniger oft um die Achse gewickelt werden und der gesamte Stimmvorgang fühlt sich präziser an. Damit passen die Mechaniken gut zu meinem Konzept: traditionelle Anmutung, aber praktische moderne Funktionen.
Messingsattel
Der originale Sattel wurde gegen einen Messingsattel von Fender ausgetauscht. Messingsättel kennt man vor allem von Umbauten aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Sie werden häufig mit einem direkten Attack und einem klaren Ausschwingen der Leersaiten verbunden. Ich betrachte den Sattel nicht als magisches Klangupgrade. Er ist für mich vielmehr ein robustes und interessantes Bauteil, das sehr gut zur vintage-orientierten Ausrichtung dieses Projekts passt. Bei offenen Akkorden und Leersaiten empfinde ich die Ansprache als klar und direkt. Gleichzeitig bildet der Sattel eine passende Verbindung zu den ebenfalls aus Messing gefertigten Saitenreitern.
Messing-Saitenreiter
Auch die serienmäßigen Saitenreiter habe ich gegen Messing-Saitenreiter von Rockinger ausgetauscht. Die Ansprache der Gitarre empfinde ich dadurch als etwas direkter und fokussierter. Einzelne Töne wirken klar definiert und das Instrument vermittelt insgesamt ein sehr solides Spielgefühl. Wichtiger als eine vermeintlich dramatische Klangveränderung ist für mich jedoch das stimmige Gesamtkonzept. Messingsattel und Messingreiter unterstützen den klassischen Charakter der Gitarre und setzen einen bewussten Gegenpunkt zu modernen Metal-Umbauten.
Kosmetik und Praxistauglichkeit
Für einen sicheren Einsatz im Stehen habe ich Schaller S-Locks montiert. Gerade bei einer funktionalen Session-Gitarre ist eine zuverlässige Gurtbefestigung für mich wichtiger als absolute Originalität. Der serienmäßige Saitenniederhalter funktionierte grundsätzlich problemlos. Trotzdem habe ich ihn gegen einen TUSQ-String-Tree von Graph Tech ersetzt. Optisch gefällt mir diese Lösung deutlich besser und auch funktional gibt es nichts auszusetzen. Die Stimmstabilität ist ausgezeichnet. Zuletzt wurde die originale Halsplatte gegen eine schlichte Platte ohne Gravur mit passender Unterlegscheibe zum Lackschutz ausgetauscht. Die Änderung ist rein optisch und sorgt auf der Rückseite für einen ruhigen, aufgeräumten Eindruck.
Wie klingt die umgebaute Hello Kitty?
Humbucker-Modus
Im Humbucker-Modus klingt der Seymour Duncan Stag Mag voll, kräftig und präsent. Er besitzt genügend Ausgangsleistung für druckvolle Rock-Riffs und singende Leads, reagiert aber weiterhin gut auf die Anschlagsstärke und den Volume-Regler. Wird die Lautstärke an der Gitarre etwas zurückgenommen, räumt der Klang gut auf. Dadurch lassen sich unterschiedliche Verzerrungsgrade direkt am Instrument steuern, was besonders bei Blues und klassischem Rock sehr nützlich ist.
Coil-Split-Modus
Im Split-Modus wird die Gitarre heller, offener und direkter. Akkorde wirken transparenter, einzelne Saiten lassen sich besser unterscheiden und perkussive Anschläge treten deutlicher hervor. Dieser Klang eignet sich besonders für cleane Akkorde, Arpeggios, bluesige Double-Stops und leicht angezerrte Rhythmusparts. Der große Vorteil des Stag Mag ist, dass sein Split-Sound nicht nur eine dünnere Version des Humbuckers darstellt. Er besitzt einen eigenständigen und überzeugenden Singlecoil-Charakter.
Der Tone-Regler
Durch das Noll Tandem-Poti verfügt die Gitarre jetzt zusätzlich über eine vollwertige Tonregelung. Im Humbucker-Modus lassen sich die Höhen für einen weicheren Blues-Sound zurücknehmen. Im Split-Modus kann der offene Singlecoil-Charakter etwas abgerundet werden. Gerade in einer Session ist diese zusätzliche Kontrolle sehr hilfreich. Trotz des einzelnen Tonabnehmers kann ich die Gitarre schnell an unterschiedliche Verstärker, Effekte und musikalische Situationen anpassen.
Eine Hello Kitty für Blues, Rock und Sessions
Von außen ist die Gitarre weiterhin sofort als pinke Hello Kitty Stratocaster zu erkennen. Das auffällige Design wurde weder abgeschwächt noch durch schwarze Metal-Hardware verfremdet. Technisch hat sich das Instrument jedoch deutlich weiterentwickelt. Der Seymour Duncan Stag Mag liefert einen kräftigen Humbucker-Sound und einen überzeugenden Coil-Split. Das Noll Stacked Push-Pull Tandem-Poti ermöglicht Volume, Tone und Coil-Split über eine einzige vorhandene Bohrung. Messingsattel und Messing-Saitenreiter unterstützen die klassische Ausrichtung, während Grover Locking-Mechaniken und Schaller S-Locks die Alltagstauglichkeit verbessern. Damit ist aus der Hello Kitty genau das geworden, was ich erreichen wollte: eine funktionale Session-Gitarre, die sofort auffällt und trotzdem musikalisch vielseitig einsetzbar ist.
Fazit
Die Squier X Hello Kitty Stratocaster ist für mich weit mehr als ein Gimmick oder ein reines Sammlerstück. Viele Spieler verwandeln sie in eine moderne High-Gain-Gitarre. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, das nächste Metal-Brett aus der Hello Kitty zu schnitzen. Stattdessen wollte ich ein Instrument, das bei einer Session für Blues, Rock, cleane Akkorde und kräftigere Leadsounds eingesetzt werden kann. Der Seymour Duncan SH-3B Stag Mag war dafür die ideale Wahl. Im Humbucker-Modus besitzt er ausreichend Druck, während sein speziell entwickelter Coil-Split einen glaubwürdigen Singlecoil-Sound liefert. Besonders gelungen ist für mich die Elektronik. Mit dem massiven Noll Stacked Push-Pull Tandem-Poti konnte ich Volume, Tone und Coil-Split in einem einzigen Regler unterbringen. Anders als bei meinem Bass und meiner Hello Kitty von 2009 war der Korpus der 2024er Gitarre tief genug für diese Lösung. Neue Bohrungen waren nicht notwendig. Die weiteren Änderungen an Mechaniken, Sattel, Saitenreitern, Gurtbefestigung und Halsplatte runden das Instrument ab. Meine Hello Kitty ist keine Metal-Maschine. Sie ist eine auffällige, passive und vielseitige Session-Gitarre mit klassischen Blues- und Rock-Sounds – und genau das macht sie für mich besonders.