Gibson Les Paul Junior - Umbau
Es gibt Gitarren, die faszinieren durch ihre Vielseitigkeit. Und dann gibt es die Gibson Les Paul Junior. Korpus und Hals aus massivem Mahagoni, ein einsamer P-90 Tonabnehmer, eine Wraparound-Bridge und zwei Regler – mehr braucht es für Blues- und Rockmusik eigentlich nicht. Genau diese kompromisslose Einfachheit begeistert mich seit kurzem.
Was mich allerdings weniger begeistert hat, waren die Preise für aktuelle Custom-Shop-Modelle oder historische Reissues. Für mich stand deshalb schnell fest: Statt mehrere tausend Euro für eine Custom Shop Junior auszugeben, investiere ich lieber gezielt in eine gut erhaltene Gibson Les Paul Junior und baue sie Schritt für Schritt zu meiner persönlichen Traum-Gitarre um.
Heute kann ich sagen: Das Ergebnis ist klanglich und spielerisch genau das geworden, was ich mir vorgestellt habe – ein sehr authentischer Vintage-Sound mit moderner Zuverlässigkeit für meinen Anwendungsbereich. Ich bin inspiriert von Billy Gibbons und Jared James Nichols und diese Klangpalette deckt die Gitarre perfekt ab.
Für mich ist es für die Bespielbarkeit wichtig, dass die Gitarre mit Baujahr 2011 noch eine matte Lackierung hat und besonders der Hals nicht mit Klarlack überzogen ist.
Die vorgenommenen Umbauten
Schaller Locking Tuner
Optisch gehören Keystone-Mechaniken einfach auf eine Les Paul Junior.
Ich habe mich deshalb für die Locking-Version von Schaller entschieden. Dadurch bleibt der klassische Vintage-Look erhalten, gleichzeitig wird der Saitenwechsel erheblich einfacher und die Stimmstabilität verbessert sich hörbar.
Gerade bei kräftigem Anschlag oder weiten Bendings macht sich das im Alltag deutlich bemerkbar.
Tesla Vibration Damper
Ein kleines Detail mit großer Wirkung ist der Tesla Vibration Damper.
Er reduziert Resonanzen hinter dem Sattel und verhindert störende Obertöne auf den Leersaiten. Gerade bei Aufnahmen oder höheren Gain-Einstellungen sorgt das für einen saubereren Gesamteindruck.
Auf den meisten Aufnahmen und auch live nutze ich in den gängigen Tonarten in meinen Solos oft die Leersaiten und bin deshalb besonders glücklich mit dieser einfachen und vergleichsweise ansehnlichen Lösung
Trussrod-Abdeckung ohne Schriftzug
Die originale Junior-Abdeckung wurde gegen eine schlichte Glocke ohne Aufdruck ersetzt.
Ein kleines Detail – aber genau diese schlichte Optik passt für mich deutlich besser zum Vintage-Charakter einer Junior.
Messingsattel
Der Kunststoffsattel musste einem präzise gefertigten Messingsattel weichen.
Dadurch verbessert sich nicht nur die Stimmstabilität, sondern auch Sustain und Attack profitieren hörbar. Gleichzeitig gleiten die Saiten sauberer durch die Kerben. Ich besitze noch eine PRS Silver Sky Dead Spec, die ab Werk einen solchen Sattel hatte und war sofort überzeugt von diesem Bauteil.
Für den Einbau war ich beim Gitarrenbauer und der hat ziemlich geflucht, denn der Einbau war eine Herausforderung. Am Ende waren wir aber beide glücklich mit dem Ergebnis.
Seymour Duncan Jared James Nichols P-90
Der wichtigste Umbau betrifft selbstverständlich den Pickup.
Verbaut wurde der Jared James Nichols Signature P-90 von Seymour Duncan.
Dieser Pickup liefert genau das, was ich gesucht habe:
druckvolle Mitten
offene Höhen
definierte Bässe
enorme Dynamik
Vor allem reagiert er unglaublich sensibel auf die Anschlagstärke und das Volume-Poti. Von glockigen Cleans bis zum rotzigen Rocksound ist alles allein über die Spielweise möglich.
Für mich ist das genau der Charakter, den eine gute Les Paul Junior besitzen muss. Und das - dank des Aufbaus des Tonabnehmers - absolut rauschfrei.
Faber Vintage Spec Wraparound Bridge
Auch die originale Wraparound-Bridge wurde ersetzt.
Zum Einsatz kommt eine Faber Vintage Spec Aluminium Wraparound Bridge mit Messing-Intonationsleiste.
Diese Kombination bringt mehrere Vorteile:
sehr direktes Ansprechverhalten
langes Sustain
definierte Mitten
präzisere Intonation
Aluminium sorgt dabei für die typische Vintage-Resonanz, während die Messingauflage etwas mehr Fundament und Klarheit liefert. IN meinen Ohren ist der Unterschied zu dem Gibson Originalteil deutlich hörbar und außerdem steht sie der Gitarre sehr gut.
Faber Wrap Lock
Zusätzlich wurde die Bridge mit dem Faber Wrap Lock System befestigt.
Das klingt zunächst unspektakulär, ist im Alltag aber eine enorme Verbesserung.
Die Bridge bleibt beim Saitenwechsel fest auf den Bolzen sitzen und fällt nicht ständig herunter. Außerdem sitzt sie immer exakt an derselben Position, wodurch Intonation und Setup reproduzierbar bleiben.
Ein kleines Detail, das das die Gitarre in meinen Augen deutlich aufwertet.
Bare Knuckle 550k Potentiometer
Auch die Elektronik wurde vollständig überarbeitet.
Zum Einsatz kommen hochwertige 550k Potentiometer von Bare Knuckle.
Sie öffnen den Klang etwas weiter als viele serienmäßige Potis und lassen den P-90 freier und luftiger wirken. Das ist zumindest mein Eindruck im Bezug auf den höheren kOhm-Wert bei den Reglern.
Gerade bei zurückgedrehtem Volume bleibt der Sound deutlich transparenter.
Holz-Potikappen
Zum Abschluss durfte auch die Optik noch etwas aufgewertet werden. Die serienmäßigen Kunststoffknöpfe wurden durch hochwertige Holz-Potiknöpfe ersetzt.
Natürlich verändern sie den Klang nicht – aber sie verleihen der Gitarre eine ganz eigene Ausstrahlung. Das warme Holz harmoniert hervorragend mit dem roten Finish der Les Paul Junior und bildet einen schönen Kontrast zur vernickelten Hardware.
Außerdem fühlen sich die Knöpfe deutlich besser an und bieten durch ihre Form einen angenehmen Grip beim Regeln von Volume und Tone. Gerade bei einer Les Paul Junior, bei der man den Klang oft direkt über das Volume-Poti formt, ist das ein Detail, das im täglichen Einsatz durchaus Freude macht.
Für mich runden diese Potiknöpfe den individuellen Charakter der Gitarre perfekt ab und zeigen, dass es bei einem gelungenen Umbau nicht nur um den Klang, sondern auch um die Liebe zum Detail geht.
33 nF Tonkondensator
Verbaut wurde außerdem ein 33 nF Kondensator.
Diese Abstimmung gefällt mir persönlich besser als die üblichen 22nf bzw. 47nf Standardwerte. Dabei musste man auch keine Raketenwissenschaft betreiben, denn es ging um den Widerstand und nicht um das genaue Material und nicht welche klanglichen Eigenschaften ein Paper-in-Oil Kondensator im Vergleich zu einem aus Keramik hat.
Die Tonblende arbeitet musikalischer und bleibt über den gesamten Regelweg besser nutzbar.
Pure Tone Output Jack
Ein oft unterschätztes Bauteil ist die Klinkenbuchse. Hier kommt nun eine Pure Tone Klinkenbuchse zum Einsatz.
Durch die doppelten Kontaktfedern sitzt jedes Kabel absolut sicher und Kontaktprobleme gehören der Vergangenheit an.
Schaller S-Locks
Für maximale Sicherheit auf der Bühne wurden außerdem Schaller S-Locks montiert. Diese gehören für mich seit Jahren zur Grundausstattung an jeder Gitarre.
Richter Stronghold Gurt
Passend dazu verwende ich einen Richter Stronghold Nylon Strap.
Er trägt sich angenehm, ist sehr robust und ist optisch eher subtil.
Wie klingt die Gitarre heute?
Genau so, wie ich mir eine Les Paul Junior immer vorgestellt habe.
Der P-90 liefert jede Menge Charakter, reagiert extrem dynamisch auf die Spielweise und setzt sich im Bandmix hervorragend durch.
Die Aluminium-Bridge sorgt für die typische Offenheit und Ansprache, während Messingsattel und Messingauflage der Bridge dem Ton etwas mehr Fundament verleihen.
Durch die hochwertige Elektronik bleibt der Klang auch bei zurückgeregeltem Volume lebendig und transparent.
Mein Fazit
Ich wollte keine mehrere tausend Euro teure Custom-Shop-Gitarre kaufen.
Stattdessen habe ich lieber gezielt in hochwertige Komponenten und den Gitarrenbauer fast 600,-€ investiert und mir Schritt für Schritt genau die Les Paul Junior aufgebaut, die ich immer haben wollte.
Natürlich wird sie dadurch keine originale Vintage-Junior aus den 1950er Jahren ersetzen.
Aber sie kommt für meinen Geschmack erstaunlich nah an genau diesen offenen, direkten und lebendigen Charakter heran den ich mir vorgestellt habe. Und das sogar kombiniert mit der Zuverlässigkeit moderner Hardware.
Ich bin der Meinung, dass man gar nicht um jeden Preis das historische Original benötigt. Vielmehr glaube ich, dass viele Gitarristen einen bestimmten Klang in ihrem Kopf hören, den sie von alten Aufnahmen zu kennen glauben. Dieser lässt sich in meinen Augen und Ohren mit modernen Mitteln sehr gut reproduzieren und profitiert dabei zum Beispiel von rauschfreien Singlecoil-Tonabnehmern und korrekt intonierten Brücken.
Wenn euch der Umbau interessiert oder ihr den Klang selbst hören möchtet, schaut gerne auf meinem YouTube-Kanal vorbei. Dort zeige ich alle Modifikationen im Detail und spiele die Gitarre an meinem Engl Steve Morse 20 Amp.
👉 Hier geht’s zum Video